Zur aktuellen Lage – Buddhistische Meditationen fĂŒr den Ausnahmezustand

In schwierigen Situationen zeigt sich, wie hilfreich die Lehren des Buddhismus sein können. Die Aussagen ĂŒber die vier edlen Wahrheiten mit ihren ErklĂ€rungen ĂŒber Leiden, ihre Ursachen, das Aufheben von Leiden und die Wege zur Befreiung von Leiden, insbesondere das Entstehen in AbhĂ€ngigkeit, die UnbestĂ€ndigkeit und der Zusammenhang von Handlungen und ihren Resultaten fĂŒr uns selbst und fĂŒr andere zeigen deutlich, worum es immer wieder geht: Leiden und die Befreiung von Leiden. Je besser wir darauf vorbereitet sind, umso besser können wir damit umgehen. Der Buddha belĂ€sst es aber nicht dabei, Probleme (Leiden) aufzuzeigen, sondern die Lehren sind voll von Methoden, den vielen Arten des Leidens, denen wir immer wieder unterworfen sind, zu begegnen, sie zu mindern bzw. zu heilen. Daher wird der Buddha auch mit einem Arzt verglichen, die Lehren mit Medizin und die Gemeinschaft mit denjenigen, die uns helfen und unterstĂŒtzen.

Unvorhersehbare VerĂ€nderungen bringen Unsicherheiten und Ängste mit sich. Aber wir brauchen nicht hilflos zuzusehen und zu hoffen, dass alles gut geht. Neben dem Einhalten der notwendigen Regeln, die bereits fĂŒr das Zusammenleben in der Gesellschaft angeordnet wurden, können wir durch unsere Geisteshaltung und die Anwendung verschiedener Übungen dazu beitragen, die Situation zu besĂ€nftigen und unsere positiven, heilsamen KrĂ€fte zu verstĂ€rken und einzusetzen.

In den letzten Tagen gab es verschiedene Empfehlungen, welche Praxis jetzt anzuwenden sei. Wir sollten uns nicht verwirren lassen oder zweifeln, was denn das einzig richtige und beste sei. Auch wenn es verschiedene Buddhas und Bodhisattvas gibt, wobei bei den Einzelnen besondere Aspekte im Vordergrund stehen, sind sie von der Essenz her alle in der Lage, den Geist zu reinigen, zu stÀrken und uns von Leiden zu befreien. So, wie es viele Arten von Medizin gibt, gibt es auch viele geeignete Methoden, die wir anwenden können.

Wenn Ihr bestimmte Übertragungen erhalten habt oder eine Praxis ausfĂŒhren möchtet, mit der Ihr vertraut ist: Macht das! Hier bieten sich insbesondere die Praxis und Mantra-Rezitation des Medizin-Buddha, der Tara, die 21 Lobpreisungen an Tara und Ă€hnliche Übungen an. Auch die Meditation und Mantra-Rezitation von Avalokiteshvara ist sehr kraftvoll. So wurde z.B. Bhikshuni Lakshminkara (skr., tib. Gelongma Palmo), auf die die Praxis des 1.000-armigen Avalokiteshvara zurĂŒckgefĂŒhrt wird, durch diese Praxis von Lepra geheilt.

Wer schon lĂ€nger praktiziert, kann sich auch an die empfohlenen Übungen – wie die Praxis der Parnashavari, die wir ĂŒber unserem Newsletter mitgeteilt haben – wagen. Sie gehört zu den 21 Taras und ist auch in den 50 Einweihungen enthalten. Ihr werdet feststellen, dass diese Praxis in ihrem Aufbau den bekannten Übungen gleicht. Je nach Zeit könnt ihr den vollstĂ€ndigen Text lesen oder nur den Lobpreis und das Mantra rezitieren. Die Frage nach den sonst ĂŒblichen Übertragungen (Einweihung, Text-Erlaubnis, ErklĂ€rungen zur Praxis) sollte uns nicht abhalten, den Empfehlungen zu folgen. In der aktuellen Situation liegt die Kraft darin, dass diese Praxis durch S.H. Drikung Kyabgön Chetsang gesegnet ist und dass sie jetzt in vielen Klöstern und Zentren und auch von vielen Praktizieren ausgefĂŒhrt wird. Wer ein Re-treat machen möchte, wird wir sicher Wege finden, entsprechende Übertragungen zu erhalten. Wer noch nicht so viel Erfahrung hat, kann Parnashavari auch vor sich visualisieren.

Das Wichtigste ist, dass wir mit Vertrauen und Hingabe handeln. Dass wir dabei eine positive Motivation haben – nĂ€mlich das Wohl aller Wesen anzustreben – ergibt sich m.E. von selbst. Wenn es uns gut geht und wir etwas Zeit finden, sollten wir die Praxis hauptsĂ€chlich fĂŒr die vielen anderen machen, die von der Situation stĂ€rker betroffen sind. Alle, die jetzt aus dem Haus mĂŒssen, um fĂŒr die anderen zu arbeiten – insbesondere im Gesundheitsbereich, der Versorgung der Mitmenschen usw. – sollten auch an sich denken und die Mantra-Rezitationen fĂŒr sich selbst nicht vernachlĂ€ssigen. So können sie Kraft schöpfen, um auch fĂŒr andere da zu sein. Wann immer es einen Moment gibt, wo man durchatmen kann, kann man Mantras rezitieren oder andere hilfreiche Übungen anwenden, sodass der Geist etwas zur Ruhe kommt. Dadurch richten wir uns immer wieder auf eine positive Entwicklung aus und geraten nicht in den Strudel der Hilflosigkeit.

Es gibt auch zahlreiche allgemeine Aussagen und Übungen, die sich in der Lehre des Buddha finden und auf die man sich stĂŒtzen kann. So geben auch AchtsamkeitsĂŒbungen, die Übung von Geduld, oder Übungen, die im Zusammenhang mit der Praxis von Bodhicitta bekannt sind, wie z.B. die 37 Übungen der Bodhisattva, Wunsch- und Widmungsgebete usw. dem Geist Ruhe und Kraft. Detailliertere ErlĂ€uterungen wĂŒrden heute aber zu weit fĂŒhren. Greift auf das zurĂŒck, was ihr gelernt, gehört oder gelesen habt, und was Euch davon anspricht. Solche Anregungen werden derzeit auch ĂŒber buddhistische Newsletter oder soziale Medien ausgetauscht.

Wenn ihr Fragen habt, meldet Euch im Zentrum (per Email oder Telefon).

Aus RatschlÀgen zur Praxis von Bodhicitta (skr., Erleuchtungsgeist, der auf das Wohl der anderen ausgerichtet ist):

Wenn du krank wirst, dann denke: Möge meine Krankheit stellvertretend fĂŒr die Krankheiten aller Wesen dienen. Möge diese Krankheit alles negative Karma reinigen, das ich seit anfangsloser Zeit angesammelt habe. [
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Wenn du zu trĂ€ge bist oder keine Lust hast, Dharma zu praktizieren, dann nutze dieses GefĂŒhl zu deinem Vorteil und als Methode der Dharma-Praxis, indem du denkst: Dieses GefĂŒhl ist eine Verdunkelung. Möge es alle anderen reinigen, die diese Erfahrung machen, und mögen sie alle dem Pfad des Dharmas und insbesondere der Praxis von Bodhicitta folgen. Mögen sie von allen Arten der TrĂ€gheit frei werden, sich am Bodhicitta erfreuen und die Buddhaschaft erlangen.

Betrachte diese Gelegenheiten stets mit WertschĂ€tzung, indem du denkst: Ich bin so vom GlĂŒck begĂŒnstigt, diese Praxis zu haben.

Wir können uns jede Minute am Dharma erfreuen, indem wir uns an ihn erinnern und unsere Handlungen mit Achtsamkeit ausfĂŒhren. Das erfĂŒllt den Sinn unseres Lebens.

Das Aufnehmen von GlĂŒck und Leiden in den Pfad

Ho! Wenn es mir gut geht, bin ich glĂŒcklich darĂŒber,
dass ich durch die Widmung meines Wohlergehens Verdienst ansammeln kann:

Möge GlĂŒck und Seligkeit die Bereiche des Himmels erfĂŒllen!

 

Wenn ich leide, bin ich glĂŒcklich darĂŒber,
dass ich das Leiden aller Wesen auf mich nehmen kann:

Möge der Ozean des Leidens in Samsara austrocknen!

 

Wenn ich krank bin, bin ich glĂŒcklich darĂŒber,
das negative Karma meiner vielen vergangenen Leben zu erschöpfen:

Mögen alle Lebewesen von Schmerzen befreit sein!

 

Wenn ich sterbe, bin ich glĂŒcklich darĂŒber,
dass ich durch den Tod in die absolute Natur (des Geistes) eintrete:

Möge die Ursache fĂŒr eine Wiedergeburt im Kreislauf von Samsara
verhindert werden!

 

Wenn ich lange lebe, bin ich glĂŒcklich ĂŒber die zwei
Arten von Ansammlungen (Verdiensts und Weisheit):

Mögen sowohl meine Ziele als auch die der anderen
spontan vollkommen erfĂŒllt werden!

 

Dies wurde zur tĂ€glichen Praxis fĂŒr seine SchĂŒler von Karmala Raja Dipa
entsprechend den Worten des großen Pandita Shakya Shri
und anderer Heiliger verfasst.

 

Möge die Bedeutung verwirklicht werden!

Zusammengestellt von T.T. Karuna