Ein Kommentar zum Parnashavari Sadhana

 18,00

aus den gesammelten Werken von Kyobpa Jigten Sumgön

von Zabrina Leung

Drikung KagyĂŒ Verlag (DKV)
1. Auflage 2021
162 Seiten, davon 8 Farbseiten, 14,8 x 21 cm
Softcover, Klebebindung

Artikelnummer: 500-020 Kategorien: , ,

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis, EinfĂŒhrung und Kapitel 1

Inhaltsverzeichnis

Vorwort von S.E. Garchen Könchog Gyaltsen Rinpoche
Vorwort von Ven. Khenchen Könchog Gyaltsen Rinpoche
EinfĂŒhrung
1. Bedeutung des Praktizierens des Parnashavari-Sadhana
2. Wege zur Heilung
2.1. Heilen durch Medizin
2.2. Heilung durch Visualisierung des Deva
2.3. Heilung durch Samadhi
3. Praxis des Sadhana
3.1. Vorbereitung
3.1.1. Zuflucht und Bodhicitta
3.2. Die Hauptpraxis
3.2.1. Erzeugung des Deva im Allgemeinen
3.2.2. Das Leerheits-Mantra
3.2.3. Die Hervorbringung von Parnashavari
3.2.4. Eigenschaften von Parnashavari
3.2.5. Einladen der Weisheitswesen
3.2.6. Einladen der ErmÀchtigungsgottheiten
3.2.7. Bitten und Darbringungen an die ErmÀchtigungsgottheiten
3.2.8. ErmÀchtigung
3.2.9. Darbringungen an die höchste Mutter Parnashavari
3.2.10. Verehrung und Lob der höchsten Mutter Parnashavari
3.2.11. Visualisierung und Mantra-Rezitation fĂŒr den eigenen Schutz
3.2.12. Die Bedeutung des Parnashavari-Mantra
3.2.13. Visualisierung und Mantra-Rezitation zur Heilung anderer
3.3. Abschließendes Ritual
3.3.1. Darbringungen und Lob der höchsten Mutter Parnashavari
3.3.2. Vajrasattva um Nachsicht bitten
3.3.3. Wunsch- und Widmungsgebete
3.4. Der fĂŒnfteilige Mahamudra-Pfad ist in diesem Sadhana vollstĂ€ndig vorhanden
3.5. Kolophon von Gyalwa Drikungpa Thrinle Lhundrup
Sādhana der Parnashavarī
Vorbereitungen
Hauptteil
Das Abschlussritual
AnhÀnge
A.1. Wunschgebet, im Reinen Land von Buddha Amitabha wiedergeboren zu werden
A.2. Widmungsgebete
A.3. Kurzbiographie von Drikung Kyobpa Jigten Sumgön
A.4. Kyobpa Jigten Sumgön hat Lepra in den Pfad hineingenommen
A.5. Die Sieben SchĂŒtzerinnen – Bittgebet an die Bhagavati Tāra (tib. Dölma) von Kyobpa Jigten Sumgön
Literatur
Englisch
Deutsch

EinfĂŒhrung

Zum Wohle aller fĂŒhlenden Wesen stellte Gyalwa Drikungpa Thrinle Lhundrup das Parnashavari-Sadhana aus den „Gesammelten Werken (Kabum)“ von Drikung Kyobpa Jigten Sumgön zusammen. Seine Heiligkeit rĂ€t allen seinen SchĂŒlern, diese Praxis wĂ€hrend des Ausbruchs der Corona-Pandemie zu praktizieren. Er betont auch, wie wichtig es ist, immer mit Bodhicitta zu praktizieren. Dieser Kommentar, der sich auf verschiedene authentische Quellen stĂŒtzt, erklĂ€rt, wie das Parnashavari-Sadhana praktiziert werden soll. ZunĂ€chst erklĂ€rte mir Drubpön Kunsang freundlicherweise die allgemeine Bedeutung des Sadhana und lehrte einiges davon in seinen Facebook-Videos, zusammen mit der Übertragung des Sadhana (Drikung Kagyu Dorje Ling Zentrum, Kreuzlingen, 2020).
Zweitens habe ich, um mein eigenes VerstĂ€ndnis des Sadhana zu vertiefen, tiefgrĂŒndige Unterweisungen von großen Meistern zusammengestellt, wie z.B. aus dem „Gongchig“ von Drikung Kyobpa Jigten Sumgön, aus seinen Kernunterweisungen (Zabchö) und seiner wunderbaren Lebensgeschichte, aus Gampopas „Der kostbare Schmuck der Befreiung“, Drikung Bhande Dharmaradzas „Juwelenschatzkammer guter RatschlĂ€ge“, Shantidevas „Bodhicaryavatara“, Maitreyas „Uttaratantra Shastra“ und Khunu Rinpoches „Juwelenlampe“.
Drittens habe ich fĂŒr eine umfassende ErklĂ€rung dessen, was allen Sadhanas gemeinsam ist, AuszĂŒge aus den Eröffnungsgebeten, dem Leerheitsmantra, dem Darbringen von Gaben und der Widmung des EhrwĂŒrdigsten Khenchen Könchog Gyaltsen Rinpoche, aus dem Leerheitsmantra und der Widmung Seiner Eminenz Garchen Rinpoche und aus der Vairocana-Meditationshaltung von Gyalwa Drikungpa Thrinle Lhundrup beigefĂŒgt. Aus der Tiefe meines Herzens danke ich allen spirituellen Meistern fĂŒr ihre wertvollen Unterweisungen. Ich danke Dr. Kay Candler fĂŒr ihr grĂŒndliches und engagiertes Lektorat, Khenchen Nyima Rinpoche fĂŒr die ÜberprĂŒfung historischer Berichte, Ani Yeshe Metog und Solvej Nielsen fĂŒr Recherche und Übersetzung, Mats Lindberg fĂŒr die ErlĂ€uterung von Sanskrit-Mantras, Lars Ljungqvist und Viktorija Paukova fĂŒr das Korrekturlesen sowie Dawa Tsering, Khenpo Sherab und anderen, die an diesem Projekt mitgewirkt haben. Ich bitte Drikung Kyobpa Jigten Sumgön von ganzem Herzen um Vergebung fĂŒr jeden unbeabsichtigten Fehler, der in diesem Buch enthalten sein könnte. Möge es allen zugutekommen!

Zabrina Leung (Ratnashri Meditation Center, Schweden), August 2020

1. Bedeutung des Praktizierens des Parnashavari-Sadhana

Parnashavari (tib. Ritroma, Logyönma) bedeutet wörtlich „eine mĂ€chtige, heilende, in BlĂ€tter gekleidete Dakini, die in Bergen und WĂ€ldern wohnt“. Sie verkörpert die Liebe und ist geschickt darin, Krankheiten einzudĂ€mmen und zu heilen, Epidemien abzuwenden, Hindernisse zu befrieden und Errungenschaften zu gewĂ€hren.
Aus der unermesslichen Weite des Dharmakaya, einzig zum Wohle aller fĂŒhlenden Wesen, fĂŒhrt der Buddha alle vier Arten von unvorstellbaren erleuchteten TĂ€tigkeiten aus (Befrieden, Vermehren, Anziehen und Unterwerfen). Um fĂŒhlende Wesen auf geschickte Weise zu befreien, manifestiert sich der Buddha sowohl in menschlicher als auch in nicht-menschlicher Gestalt, insbesondere in Gestalt verschiedener Gottheiten, die erleuchtete QualitĂ€ten oder Aspekte von Bodhicitta2 reprĂ€sentieren, je nachdem, was fĂŒr den Fortschritt der Wesen auf dem Pfad, ihre Neigungen, ihr Karma und ihre Lebenslage am geeignetsten ist. Die Lehren und AktivitĂ€ten im Zusammenhang mit diesen Gottheiten sind zahllos, tiefgrĂŒndig und unvorstellbar. GemĂ€ĂŸ den Erkenntnissen und Überlieferungen der Meditierenden haben diese Gottheiten verschiedene Namen und wurden als zu verschiedenen Buddha-Familien gehörend identifiziert. Ihre Lobpreisungen, Kommentare und Praktiken wurden den verschiedenen Tantra-Klassen zugeordnet.

Parnashavari ist eine Buddha-Manifestation, die in dieser besonderen Form erscheint, um Epidemien, Schaden und Hindernisse zu ĂŒberwinden.
Parnashavari wird oft als eine der Manifestationen von Arya Tara angesehen, wie der Titel von Parnashavaris Dharani in „Sadhanamala“ zeigt: Arya Parnashavari-Tara Dharani (ĀryaparnashavaritārādhāranÄ«). Genau wie Tara und alle anderen Buddhas gelobte Parnashavari, als sie noch eine Bodhisattva war, vor den Buddhas, alle fĂŒhlenden Wesen rasch aus Samsara zu retten und sie zu schĂŒtzen. Sie kultivierte Bodhicitta (den Wunsch und die AktivitĂ€ten, um Erleuchtung zum Wohle aller fĂŒhlenden Wesen zu erlangen) zielstrebig mit unbeirrter Anstrengung, Äonen um Äonen, bis die Erleuchtung erreicht war. Deshalb ist sie fĂŒr ihre großartige Liebe, ihr MitgefĂŒhl und Bodhicitta sowie ihre Weisheit, Kraft und AktivitĂ€ten bekannt.

In einigen Traditionen wird Parnashavari als die zwanzigste der einundzwanzig Taras oder eine von einhundertacht Taras usw. bezeichnet. Trotz ihrer verschiedenen Namen, ZĂ€hlungen und Traditionen ist die Essenz aller erleuchteten Gottheiten die gleiche – die Vollkommenheit von Bodhicitta. Es gibt viele Arten der Praxis der Parnashavari mit Unterschieden in ihrer Körperfarbe, der Anzahl der Gesichter, der Anzahl der HĂ€nde, ihrer Attribute, ihres Gesichtsausdrucks usw. Man sollte sich hier nicht verwirren lassen; sie sind alle korrekt. Die Unterschiede ergeben sich aus den Visionen der verschiedenen Meister, aus Unterschieden in den Überlieferungslinien und aus Unterschieden in den tantrischen Klassen, aber ihre Essenz ist die gleiche. Die Mantras können sich auch leicht unterscheiden, aber ihre Bedeutung ist die gleiche. Jede Person sollte der Praxis folgen, die von ihrem eigenen Linienmeister kommt.
GemĂ€ĂŸ der Vision des Autors dieses Sadhana, Kyobpa Jigten Sumgön (1143-1217), ist die höchste Mutter Parnashavari eine Verkörperung der Liebe und eine Emanation des Dhyani-Buddha Amoghasiddhi, des Herrn der Karma-Familie, seine wunscherfĂŒllenden und ungehindert alles-vollendenden, erleuchteten AktivitĂ€ten manifestierend.

Das Sadhana gehört zur Klasse des Kriya-Tantra und findet sich in den „Gesammelten Werken“ von Kyobpa Jigten Sumgön, dem GrĂŒnder der Drikung KagyĂŒ Linie, einer Manifestation von Nagarjuna, der Verkörperung der Buddhas der drei Zeiten, einem erleuchteten Meister, einem großen Yogi und einem Philosophen. Seine „Gesammelten Werke“, die Quintessenz der 84.000 Lehren des Buddha, bestehen aus Sammlungen zu den Ă€ußeren, inneren, geheimen Lehren und den Lehren zur Soheit. Die „Gesammelten Werke“ umfassen Themen wie die essenzielle Natur der drei GelĂŒbde (Vinaya, Bodhicitta und Vajrayana), Geistesschulung, Unterweisungen und Praktiken der Heilung, die Praxis der Devas, „Die einzige Absicht (Gongchig)“, „Die Essenz des Mahayana“, „Der fĂŒnfteiligen Mahamudra-Pfad“ und „Die lodernde Wunschgirlande wunscherfĂŒllender Edelsteine (Cintamani)“. Eine Kurzbiographie von Kyobpa Jigten Sumgön ist in Anhang A.3 zu finden.

Im Nachwort zu diesem Sadhana sagt Kyobpa Jigten Sumgön, dass er persönlich Zeuge der großen Heilkraft und Liebe war, die Parnashavari schenkte:
Einmal, als mir großes Unheil drohte, wurde ich durch die Praxis der Göttin ParnashavarÄ«, der Mutter, die die Verkörperung der Liebe ist, von Gefahren befreit. Deshalb habe ich diese Praxis in Erinnerung an ihre GĂŒte zusammengestellt.
DarĂŒber hinaus versprach er aus seinem Streben und seinem Segen heraus, dass alle, die dieses Sadhana demgemĂ€ĂŸ mit einem reinen, von Liebe, MitgefĂŒhl, Bodhicitta und klarem Samadhi durchdrungenen Geist praktizieren, gewiss den Zustand von Parnashavari erreichen werden.
In dem gesamten Sadhana lobt Kyobpa Jigten Sumgön ihre Liebe und ihr MitgefĂŒhl sowie ihre Weisheit, Kraft und AktivitĂ€ten, die sie mit Schnelligkeit, Heldenhaftigkeit und Unparteilichkeit ausfĂŒhrt, um ausnahmslos alle fĂŒhlenden Wesen vor jeglichem Leid, vor SchĂ€digungen, Ängsten, Krankheiten und vorzeitigem Tod zu schĂŒtzen und zu befreien.
Sie besitzt große GlĂŒckseligkeit, weil sie vollkommen gereinigt, völlig frei von Furcht und Leid und vollkommen erleuchtet ist. Sie ist herrlich, erhaben und voller Glanz, weil sie die vier Verdunkelungen – karmische, gefĂŒhlsmĂ€ĂŸige, erkenntnismĂ€ĂŸige und gewohnheitsmĂ€ĂŸige – ĂŒberwunden hat, die Buddhaschaft erreicht hat, und ausnahmslos allen fĂŒhlenden Wesen Nutzen bringt. Sie ist die höchste Mutter aller Buddhas der drei Zeiten, Prajnaparamita, die ursprĂŒngliche Weisheit, aus der alle Buddhas geboren werden.
Sie ist die Verkörperung der drei Kayas – des Dharmakaya, des Wahrheitskörpers, der alles durchdringenden Leerheit, der Grundlage aller ausgezeichneten, unendlichen QualitĂ€ten; des Sambhogakaya, des höchsten Genusskörpers, des nicht-substanziellen Ausdrucks der ausgezeichneten Bodhicitta-QualitĂ€ten in jedem ihrer Attribute; und des Nirmanakaya, des höchsten Emanationskörpers, der ungehinderten, wunscherfĂŒllenden und alles vollendenden erleuchteten AktivitĂ€ten Amoghasiddhis.
Sie umfasst die Weisheiten aller fĂŒnf Dhyani-Buddhas (Buddha Vairocana, Buddha Ratnasambhava, Buddha Amitabha, Buddha Amoghasiddhi und Buddha Akshobhya) der fĂŒnf Buddha-Familien (Buddha-, Ratna-, Padma-, Karma- und Vajra-Familie). Ihr allwissender Geist sieht klar die Natur der Wirklichkeit und das ab-hĂ€ngige Entstehen aller PhĂ€nomene und manifestiert, was auch immer fĂŒr geschickte Mittel erforderlich sind, um den fĂŒhlenden Wesen zu nĂŒtzen. So hat sie die Macht, alle inneren und Ă€ußeren DĂ€monen zu ĂŒberwinden und uns von allen Verdunkelungen zu befreien.
Gyalwa Drikungpa Thrinle Lhundrup hat dieses Parnashavari-Sadhana zusammengestellt und allen SchĂŒlern und Dharma-Zentren geraten, es wĂ€hrend der Pandemie tĂ€glich zu praktizieren. Menschen auf der ganzen Welt leiden heutzutage körperlich, geistig und emotional. Ärzte, Krankenschwestern und Mitarbeiter des Gesundheitswesens arbeiten Tag und Nacht heroisch und opfern sich selbst, um das Leben anderer zu retten. Wenn wir dieses Parnashavari-Sadhana aufrichtig praktizieren, können wir selbst und alle fĂŒhlenden Mutterwesen davon profitieren. Es gibt viele Vorteile – auf der Ă€ußeren Ebene, um unsere Krankheiten zu heilen, und auf der inneren Ebene, um das relative und letztendliche Bodhicitta zu kultivieren, die Ursachen des Leidens zu beseitigen und Erleuchtung zum Wohle aller fĂŒhlenden Wesen zu erlangen.

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