Die Juwelenschatzkammer guter RatschlÀge

 13,80

Hundert Herzensanweisungen

Die Weisheit des Drikung Bhande Dharmaradza

  • Drikung KagyĂŒ Verlag (DKV)
  • 1. Auflage 2007
  • 86 Seiten, 14 x 21 cm
  • Softcover, Klebebindung
  • ISBN 3-933529-23-9 / 978-3-933529-23-7

Artikelnummer: 500-008 Kategorien: , , Schlagwort:

Beschreibung

Über das Buch

Der Autor der ‚Hundert Herzensunterweisungen’, Drikung Bhande Dharmaradza (1704-1754), war die Reinkarnation des großen Drikung Dharmakirti (1595-1659), dem ersten Drikung Kyabgön Chungtsang Rinpoche. In diesem Buch formuliert Dharmaradza in Versen das gesamte GefĂŒge des buddhistischen Pfades. Die Lehren, die hier dargestellt werden, sind ehrlich und direkt und umfassen Themen wie VergĂ€nglichkeit oder wie die Übungen und GelĂŒbde der drei Yanas ohne Konflikt und Widerspruch praktiziert werden können. Dieser Text weist klar den Weg, den ein ernsthafter Praktizierender des Vajrayana zu gehen hat, und ist damit auch fĂŒr den modernen Leser, der die Lehren praktizieren möchte, ein unverzichtbarer Schatz wichtiger RatschlĂ€ge. In seiner EinfĂŒhrung stellt Khenchen Könchog Gyaltsen Rinpoche kurz die allgemeinen Lehren des Buddha, die Grundlagen der Schulung im ursĂ€chlichen Fahrzeug sowie die Übungen des Vajrayana dar. Eine ausfĂŒhrliche Biographie ĂŒber Drikung Bhande Dharmaradza fĂŒhrt den Leser schließlich in die Zeit des alten Tibet und schildert das Leben und die vielfĂ€ltigen Dharma-AktivitĂ€ten dieses bemerkenswerten tibetischen Meisters.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort
EinfĂŒhrung
Die Juwelenschatzkammer guter RatschlÀge
Das Leben von Drikung Bhande Dharmaradza

Anhang
Der Übersetzer der englischen Ausgabe
Verzeichnis der numerischen Begriffe

Glossar

 

Leseprobe

[
] Weil es der einzige Zweck unserer Praxis und unseres Studiums des Dharma ist – sowohl fĂŒr uns selbst als auch fĂŒr andere – in diesem Leben, zum Zeitpunkt des Todes und in unseren kĂŒnftigen Leben, Frieden zu bringen, sollten wir den Wechsel der Jahreszeiten, den Wechsel von Tag und Nacht beobachten und uns in jedem Augenblick der Praxis zuwenden.
Alle fĂŒhlenden Wesen existieren von Augenblick zu Augenblick in einem Zustand des Leidens. Viele, besonders in den drei niederen Bereichen, erleben das Leiden des körperlichen und mentalen Schmerzes. Andere, in gĂŒnstigeren UmstĂ€nden, erleben das Leiden des Wandels, wenn ihr temporĂ€res GlĂŒck und VergnĂŒgen der Sorge weichen. Freunde können zu Feinden werden, Nahrung sich in Gift verwandeln. Wir sind enttĂ€uscht, wenn wir nicht das bekommen, was wir begehren und wir hilflos dem begegnen, was wir lieber vermeiden wĂŒrden.
Diese verschiedenen Leiden sind nichts weiter als die Resultate, die aus unseren unheilsamen Handlungen und Gedanken hervorgehen und daher ist es zwecklos, sich gegen sie zu wehren. TatsĂ€chlich können wir lernen, uns unserem Leid in positiver Weise zu nĂ€hern. Das Leiden kann uns daran erinnern, uns unserer fortlaufenden Ansammlung von Ursachen und ihrer unvermeidlichen Wirkungen, die wir alleine zu erfahren haben werden, bewusst zu werden. Das Leiden untergrĂ€bt auch unseren Hochmut, bringt uns auf den Boden zurĂŒck und inspiriert uns, nach Lösungen zu suchen. Aufgrund unserer Leiden können wir andere, die Schmerzen haben, besser verstehen. Und wenn wir von der unerbittlichen Natur karmischer Ursachen ĂŒberzeugt sind, werden wir in unserer Verantwortung fĂŒr uns selbst und fĂŒr andere wirkungsvoll und aufrichtig sein.
Weil sich alle fĂŒhlenden Wesen in diesem Leidenszustand befinden, kann es hilfreich sein, sie als unsere Eltern, Freunde oder Kinder zu betrachten und fĂŒr sie die gleiche liebevolle Zuwendung und das gleiche MitgefĂŒhl zu entwickeln, das wir in Bezug auf unsere Eltern, Freunde und Kinder in diesem Leben empfinden. Vor allem MitgefĂŒhl ist eines der Hauptgegenmittel gegen störende GefĂŒhle, insbesondere gegen Ärger und Abneigung. Es erstreckt sich auf alle Wesen, möchte sie von ihrem Leid befreien und bringt ein tiefes GefĂŒhl von Weite und Entspannung mit sich. Wer MitgefĂŒhl besitzt, zieht andere an und wird von allen respektiert. MitgefĂŒhl öffnet unser Herz.
Wenn wir etwas Erfahrung in dieser echten liebevollen Zuneigung und diesem MitgefĂŒhl haben, können wir anfangen, Bodhicittazu entwickeln, den vollerwachten Geist mit dem Wunsch, Buddhaschaft zum Wohl aller fĂŒhlenden Wesen zu erlangen. Als bester Pfad zur Reinigung unserer störenden Emotionen und unserer subtilen Verdunkelungen und zur Vollendung des Weisheitsgewahrseins ist Bodhicitta die höchste Quelle von Wohlergehen, Frieden und GlĂŒck. Bodhicitta ist der universale Geist, der jedes fĂŒhlende Wesen von Herzen umarmt. GeistesschĂ€rfe, Zuversicht und Mut – all diese ausgezeichneten QualitĂ€ten und noch andere entstehen aus der Praxis von Bodhicitta. [
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Diejenigen, die diese Grundlage der Schulung im ursĂ€chlichen Fahrzeug haben und die ein gutes VerstĂ€ndnis der allgemeinen Lehren des Buddha besitzen, können mit der Übung des Tantra beginnen. Das Wort ‚Tantra’ bedeutet KontinuitĂ€t oder Fortbestand und bezieht sich auf die KontinuitĂ€t der unverĂ€nderlichen Natur des Erleuchtungsgeistes, die Buddha-Natur. Die Praxis des Tantra ist eine kraftvolle und direkte Methode, um diese leuchtende Natur des Geistes zu erwecken. Besonders durch die Zeremonie der vier ErmĂ€chtigungen erhĂ€lt man das Potential, seinen gewöhnlichen Körper zu reinigen und den Körper einer Gottheit zu manifestieren, die gewöhnliche Sprache zu reinigen und die Weisheitssprache zu manifestieren, die Verschleierungen des Geistes zu reinigen und den Weisheitsgeist zu verwirklichen und die Verschleierungen der DualitĂ€t zu reinigen und die allesdurchdringende Natur der Erleuchtung zu erkennen. Die Sechs Yogas von Naropa – im Einzelnen sind das die Übungen von Tummo, Klarem Licht, Traum-Yoga, Illusionskörper, Phowa und Bardo – enthalten die wirkliche Essenz aller Tantra-Lehren. Die einwandfreie AusfĂŒhrung dieser Methoden durchtrennt alle TĂ€uschungen in Samsara und ermöglicht es dem Erleuchtungsgeist, sich direkt zu offenbaren. [
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Erleuchtung ist die allesdurchdringende Weisheit der Leerheit, die Einheit von objektfreiem großen MitgefĂŒhl und innewohnendem Bewusstsein. Alles in Samsara und Nirvana ist durch diese Beschaffenheit ‚besiegelt’ (Mudra) und es gibt nichts ‚grĂ¶ĂŸeres’ (Maha) als sie. Deshalb wird sie Mahamudra genannt. Wenn man diese Beschaffenheit verwirklicht, wird das Nirvana genannt. Wenn man dies nicht verwirklicht, wandert man in Samsara. Nagarjuna sagte: “Es besteht kein Unterschied zwischen Samsara und Nirvana. Wenn man die Natur von Samsara erkennt, nennt man dies das Erreichen von Nirvana.”
Um Mahamudra zu praktizieren, sollte man sich zuerst darum bemĂŒhen, die Meditation des ruhigen Verweilens mit der Methode der Atem-Beobachtung zu ĂŒben. Zuerst setzt man sich bequem hin und entspannt den Geist. Dann atmet man tief und voll ein und wieder aus, um alle Verspannungen zu lösen. Dann wird natĂŒrlich durch die Nase geatmet und indem man den Atem als Objekt nimmt, bringt man den Geist zur Ruhe. Wenn der Geist abgelenkt wird, bringt man ihn einfach zum Gewahrsein des Atems zurĂŒck. Auf diese Weise zĂ€hmt man den Geist und stabilisiert ihn in einsgerichteter Ruhe. Alternativ stellt man sich im Herzzentrum ein blaues Licht in der GrĂ¶ĂŸe eines Senfsamens vor und indem man dieses Licht als Objekt nimmt, bringt man den Geist zur Ruhe. Wenn Gedanken aufsteigen, lĂ€sst man sie sich im blauen Licht auflösen und einfach ruhen, ohne ihnen hinterherzujagen oder sie zu verdrĂ€ngen.
Dieses Training vertreibt die Verwirrung und festigt den Geist durch Klarheit und Frieden. Auf der Basis dieser StabilitĂ€t – und durch die aufzeigenden Anweisungen – erkennt man die Mahamudra, die alles durchdringende Natur des Geistes. In diesem Augenblick werden alle groben störenden Emotionen als von ihrer Natur her leer erkannt. Dann gibt es nichts, was anzunehmen oder abzulehnen wĂ€re. Man nimmt einfach diese ungeschaffene Erfahrung der Dinge, wie sie sind, wahr. So wie der Raum ursprĂŒnglich frei von Wolken ist, so ist diese Natur in ihrer unermesslichen Weite und TiefgrĂŒndigkeit unbeschreiblich. So ist es, wenn der Geist frei von begrifflichem Denken ist. Dies ist absolute Freiheit.
Widmung ist die Methode, die Frucht jeglicher Praxis, die man ausgefĂŒhrt hat, völlig aufblĂŒhen zu lassen. Man mag eine Menge Verdienst angesammelt haben, aber wenn man es nicht gewidmet hat, könnte das Resultat verschwendet sein, bevor es zu Tage tritt. Das eigene Heilsame und das Heilsame aller anderen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – zusammen mit dem innewohnenden Heilsamen der Buddha-Natur selbst, die jeder besitzt – sollte der Erlangung der vollstĂ€ndigen Erleuchtung fĂŒr sich selbst und fĂŒr alle fĂŒhlenden Wesen gewidmet werden. Diese Art der Widmung vermehrt nicht nur das Resultat des heilsamen Handelns, sondern dieses Heilsame wird, wie ein Wassertropfen, der sich mit dem Ozean verbindet, unerschöpflich sein, bis man die vollstĂ€ndige Buddhaschaft erlangt.

Rezension

Das Buch beginnt mit einer eindrucksvollen Einleitung von Khenchen Könchog Gyaltsen, die man als tĂ€gliche Motivation und Übersichtsmeditation geradezu genießen kann. Der Pfad zur Erleuchtung ist kein zufĂ€lliger, sondern braucht genaue und detaillierte Inhalte und Anweisungen, um eine umfassende AusĂŒbung zu ermöglichen. Es gibt seit vielen Jahrhunderten eine große Anzahl von Texten, die sich mit dem spirituellen Pfad beschĂ€ftigen, angefangen von dem ausschlaggebenden Werk Atishas (980-1054) “Die Lampe auf dem Weg” ĂŒber die verschiedenen Traditionslinien der Kadampa Meister bis hin zu Tsongkhapa (1357-1419), der sein meisterhaftes Werk “Lam-Rim” in drei unterschiedlichen LĂ€ngen verfasste. Das vorliegende Werk ist neueren Datums, der Autor Drikung Bhande Darmaradza (1704-1754) fĂŒhrt die Überlieferung dieser einzigartigen Tradition auf außerordentliche und inspirierende Art und Weise fort. Seine Sprache ist direkt und trifft immer den Kern der Sache. Es fehlt auch keineswegs an ĂŒberraschenden Hinweisen, wie z. B. zu Alkohol, Tanz und Gesang. Alles, was Samsara verklĂ€rt, verlĂ€ngert das Leiden, und der Herzensrat des Meisters besteht darin, die SchĂŒler vor Schaden zu bewahren. Darin liegt die StĂ€rke dieses Textes: Man spĂŒrt nachgerade die Sorge um das Wohl des SchĂŒlers, die zwar immer von innerer Anteilnahme geprĂ€gt ist, es aber auch nicht scheut, manchmal ziemlich tibetisch unverblĂŒmt zu sein. Wenn der Meister am Ende eines Verses sagt: “Dies ist mein Herzensrat”, dann wird das Herz des SchĂŒlers berĂŒhrt, heute wie auch in frĂŒheren Zeiten. Dieser Text bewegt, ist lebendig und geprĂ€gt von solch einer inneren Dringlichkeit, dass man gar nicht anders kann, als sich jeden dieser 100 RatschlĂ€ge wirklich zu Herzen zu nehmen. Wenn dann noch ein Kommentar zu diesen RatschlĂ€gen erscheint, kann man sein Leben damit verbringen, alle diese RatschlĂ€ge ausnahmslos zu beherzigen.

Dieter Kratzer

ZusÀtzliche Informationen

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