Der f├╝nfteilige Mahamudra-Pfad

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von Khenchen K├Ânchog Gyaltsen Rinpoche

‘Erl├Ąuterungen zum Juwelenkranz des tiefgr├╝ndigen f├╝nfteiligen Pfades’ von Kunga Rinchen

  • Drikung Kagy├╝ Verlag (DKV)
  • 1. Auflage 2004
  • 144 Seiten, 14 x 21 cm
  • Softcover, Klebebindung
  • ISBN 3-933529-22-0 / 978-3-933529-22-0

 

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Beschreibung

├ťber das Buch

Mahamudra oder das ‘Gro├če Siegel’ bezieht sich auf den Pfad der Erleuchtung, der von Buddha gelehrt wurde und der durch die spirituelle Linie von Tilopa, Naropa, Marpa und Milarepa ├╝bertragen wurde. Gampopa, ein Sch├╝ler von Milarepa, der im elften Jahrhundert lebte, brachte diese Lehren des Buddha in einem f├╝nfteiligen Pfad zusammen, der aus der erleuchteten Motivation, Gottheiten-Yoga, Guru Yoga, Mahamudra und der richtigen Widmung bestand. Sein Hauptsch├╝ler Phagmo Drupa gab diesem Ansatz den Namen ‘Der Tiefgr├╝ndige F├╝nfteilige Pfad der Mahamudra’.
Jigten Sumg├Ân, der Nachfolger von Phagmo Drupa, gr├╝ndete den Drikung-Kagy├╝-Orden und lehrte ausf├╝hrlich ├╝ber Mahamudra. Der f├╝nfzehnte Nachfolger von Jigten Sumg├Ân, Kunga Rinchen, der bekannt f├╝r die Direktheit und Klarheit seiner Belehrungen war, verfasste den Text ‘Erl├Ąuterung zum Juwelenkranz des tiefgr├╝ndigen f├╝nfteiligen Pfades’, der hier in der ├ťbersetzung vorliegt.
Dieser Text ist ein Handbuch mit praktischen Unterweisungen f├╝r diejenigen, die den Pfad der Mahamudra studieren, ├╝ber ihn nachdenken und ihn praktizieren. Der Text von Gyalwang Kunga Rinchen wurde mit einer Einleitung sowie mit erl├Ąuternden Anmerkungen von Khenchen K├Ânchog Gyaltsen Rinpoche versehen.
“Der f├╝nfteilige Pfad der Mahamudra verk├Ârpert die Essenz der Lehren des Buddha – des riesigen Ozeans der Sutras und Tantras – ├╝ber die eigentliche ├ťbung der Meditation. F├╝r diejenigen, die bereit sind, ist es die h├Âchste Methode, um Buddhaschaft in einem Leben zu erlangen. Dieser Kommentar, ‘Erl├Ąuterung zum Juwelenkranz des tiefgr├╝ndigen f├╝nfteiligen Pfades’, wurde im sechszehnten Jahrhundert von Gyalwang Kunga Rinchen, dem zweiten Siegreichen, geschrieben. Er wurde f├╝r die gl├╝cklichen Wesen ins Englische ├╝bersetzt, die aus der Tiefe ihres Herzens daran interessiert sind, die Befreiung zu erlangen. Der Text von Kunga Rinchen beginnt mit den grundlegendsten Anleitungen und f├Ąhrt dann fort bis zu den fortgeschrittensten und tiefgr├╝ndigsten Unterweisungen.”
Khenchen K├Ânchog Gyaltsen Rinpoche
“Die ├ťbersetzung eines wichtigen Werkes des tibetischen Buddhismus […], eine klare und pr├Ązise Zusammenfassung des Vajrayana-Pfades, wie er in der Kagy├╝-Tradition gelehrt wird.”

 

Inhaltsverzeichnis

Einf├╝hrung
Vorwort von Seiner Heiligkeit, dem Drikung Kyabg├Ân
Einleitung: Der F├╝nfteilige Pfad
Erl├Ąuterung zum Juwelenkranz des tiefgr├╝ndigen f├╝nfteiligen Pfades

Einleitung
Die vier Kenntnisse
Die vier Kontemplationen
Die vier ├ťbungen
Die f├╝nf Meditationen

Die vorbereitenden ├ťbungen

Besondere vorbereitende ├ťbungen:
Zufluchtnahme

– Kontemplation ├╝ber die seltene Gelegenheit, Freiheiten und Gl├╝ck zu erlangen
– Kontemplation ├╝ber die Fehler des Daseinskreislaufs
– Kontemplation ├╝ber den Nutzen der Befreiung
Vajrasattva-Meditation
Mandala-Meditation
– Vorbereitung des Mandala
– Mandala-Opferung
Guru Yoga
– Die vier Erm├Ąchtigungen
Au├čergew├Âhnliche vorbereitende ├ťbungen:
Liebe
Liebe hervorbringen
– Die wahre Natur der Liebe
– Das Anwachsen der Liebe
– Aktivit├Ąten der Liebe
– Der Fehler, Liebe nicht hervorzubringen
– Der Nutzen durch das Entwickeln von Liebe
Mitgef├╝hl
Das Objekt der Aufmerksamkeit des Mitgef├╝hls
– Das Anwachsen des Mitgef├╝hls
– Aktivit├Ąten des Mitgef├╝hls
– Die Frucht, die es zu erreichen gilt
Bodhicitta
Strebendes Bodhicitta
– Wirkliches Bodhicitta
– Das Objekt der Aufmerksamkeit des wirklichen Bodhicitta

Die eigentlichen ├ťbungen

Meditation ├╝ber den Deva (tib. Yidam) ÔÇô Gottheiten-Yoga
Die Erzeugungsstufe
Visualisation
Kommentar zur Erzeugungsstufe
I.       Meditation über die klare Form
II.    Achtsamkeit in Bezug auf die Reinheit der Form
– a.┬á┬á Achtsamkeit in Bezug auf die Reinheit der nat├╝rlichen Zeichen
– b.┬á┬á Achtsamkeit in Bezug auf die Reinheit, die Leerheit ist
III.  Festhalten an der Diamant-Vollkommenheit von sich selbst als Gottheit
Die Vollendungsstufe
Guru Yoga ÔÇô Meditation ├╝ber den spirituellen Meister
I.┬á┬á┬á┬á┬á┬á Der Ausstrahlungsk├Ârper
– Die drei Zweige der Verehrung
– Die dreiteilige Opferung
– Die siebenteilige Opferung
II.┬á┬á┬á Der K├Ârper des vollkommenen Erfreuens
III.┬á Der Wahrheitsk├Ârper
IV.┬á┬á Der Naturk├Ârper
Meditation ├╝ber Mahamudra
Das Festigen der Sicht
Das Festigen der wahren Natur des Geistes
– Die Bestehensweise der Erscheinungen
– Die Bestehensweise des Geistes
Die vier Begr├╝ndungen
I.       Die Begründung des Diamantsplitters
II.    Die Begründung des Einen und Vielen
III.┬á Die Begr├╝ndung, die die vier M├Âglichkeiten der Herstellung widerlegt
– a.┬á┬á Vier Wege, die Leerheit falsch zu verstehen
– b.┬á┬á Drei m├Âgliche Fehler in der Meditation
IV.┬á┬á Die Begr├╝ndung durch das abh├Ąngige Entstehen
Meditation ├╝ber die Sicht
– Die K├Ârperhaltung
– Die ├ťbungszeit
Den Geist stabilisieren
I.┬á┬á┬á┬á┬á┬á Meditation ├╝ber die Bestehensweise der Ph├Ąnomene
a.┬á┬á Die ├ťbung der Vollendungsstufe mit Zeichen
b.┬á┬á┬á┬á┬á Die ├ťbung der Vollendungsstufe ohne Zeichen ÔÇô die sieben Methoden, den Geist zu stabilisieren
– 1.┬á┬á Die ├ťbung aufrechterhalten, ohne etwas in den Geist zu bringen
– 2.┬á┬á Die ├ťbung aufrechterhalten und die Konzepte der Unterscheidungen aufgeben
– 3.┬á┬á Die ├ťbung aufrechterhalten, ohne die Achtsamkeit zu verlieren
– 4.┬á┬á Die ├ťbung mit gro├čer Anstrengung aufrechterhalten
– 5.┬á┬á Die ├ťbung in Bezug auf die Bedeutung der Nicht-Meditation aufrechterhalten
– 6.┬á┬á Die ├ťbung aufrechterhalten ohne die beiden Extreme der Anspannung und der Schlaffheit
– 7.┬á┬á Die ├ťbung aufrechterhalten mit einem Geist, der sich im nat├╝rlichen Zustand befindet
II.┬á┬á┬á Bestimmung der Bestehensweise der Ph├Ąnomene
– a.┬á┬á Bestimmung des meditativen Gleichgewichts als ruhiges Verweilen
– b.┬á┬á Bestimmung des Selbst-Gewahrseins als Mahamudra

Quintessenz-Unterweisungen
Praktizieren in ├ťbereinstimmung mit den Quintessenz-Unterweisungen

Abschlie├čende ├ťbungen
Widmung

Die Dakorma Widmung
Die angemessene Widmung des angeborenen Heilsamen
– I.┬á┬á┬á┬á┬á┬á Die Worte des Buddha ├╝ber die Widmung des angeborenen Heilsamen
– II.┬á┬á┬á Begr├╝ndung der Widmung des angeborenen Heilsamen
– III.┬á Quintessenz-Unterweisungen ├╝ber die Widmung des angeborenen Heilsamen
Die Objekte der Widmung
Die Empf├Ąnger der Widmung
Das Ziel der Widmung

Kolophon

Anhang
Die Lebensgeschichte des Autors Kunga Rinchen

Anmerkungen

 

Reginald Ray

Leseprobe

Meditation ├╝ber die Sicht

Um ├╝ber die Sicht zu meditieren, musst du die Technik der K├Ârperhaltung, die Technik der ├ťbungszeit und die Technik, den Geist zu stabilisieren, praktizieren. Diese drei m├╝ssen gleichzeitig praktiziert werden.

Die Technik der K├Ârperhaltung

Die richtige Vorbereitung des K├Ârpers durch die siebenteilige K├Ârperhaltung des Buddha Vairocana l├Ąsst es zu, dass Erkenntnis in deinem Geist erscheint. Buddha sagte im ÔÇśDiamant Rosenkranz Sutra’:Sitze auf einem bequemen Kissen. Richte deine Augen auf die Spitze deiner Nase. Deine Nase sollte sich auf einer Linie mit deinem Nabel befinden. Halte die Schultern gerade. Die Zunge ber├╝hrt den Gaumen. Deine Lippen und Z├Ąhne liegen entspannt aufeinander. Dann, nachdem du deinen Atem beruhigt hast, atme nur mit geringer Anstrengung, gem├Ą├č den Unterweisungen deines Lehrers. Verweile mit gekreuzten Beinen in der richtigen Haltung.├ťbe dich gr├╝ndlich in der Technik der K├Ârperhaltung.

Die Technik der ├ťbungszeit

Die Technik der ├ťbungszeit besteht darin, zu allen Zeiten zu praktizieren. Es hei├čt, dass es keine ├ťbungssitzung als solche gibt. Immer, wenn es Achtsamkeit gibt, den Sieger ├╝ber die Zeit, gibt es Meditation. Jede Zeit ist angemessen f├╝r die ├ťbung. Es ist nicht notwendig, die Monate zu berechnen oder ein Datum zu bestimmen. Es ist nicht notwendig die Position der Sonne, des Mondes und der Sterne in Betracht zu ziehen. Die Zeit der ├ťbung ist in keiner Weise begrenzt. Du solltest ununterbrochen praktizieren, ohne formale Sitzungen.

Die Technik, den Geist zu stabilisieren

Die Technik, den Geist zu stabilisieren, hat zwei Teile:

  1. Meditation ├╝ber die Bestehensweise der Ph├Ąnomene
  2. Bestimmung der Bestehensweise

Der erste Teil, die Meditation, hat wiederum zwei Stufen. Die Vollendungsstufe mit Zeichen betrifft die Tropfen an den f├╝nf Orten des K├Ârpers, auf die man seinen Geist richtet. Die Vollendungsstufe ohne Zeichen betrifft die sieben Methoden, den Geist zu stabilisieren.

I. Meditation ├╝ber die Bestehensweise der Ph├Ąnomene

a. Die ├ťbung der Vollendungsstufe mit Zeichen

Wenn du diesen Teil der Technik, den Geist zu stabilisieren, entwickelst, bringst du zuerst den Erleuchtungsgeist hervor und visualisierst dann deinen K├Ârper als den K├Ârper des Deva (tib. Yidam). Stelle dir den Lehrer als Vajradhara vor und meditiere dann, indem du deinen Geist ohne Ablenkung auf den leuchtenden blauen Tropfen in deinem Herzen richtest, der die Gr├Â├če eines Senfsamens hat. Wenn dann eine gute meditative Stabilit├Ąt entsteht, ruhe kurz in einem entspannten nat├╝rlichen Zustand, ohne dass etwas in deinem Geist erscheint.
Richte dann deinen Geist eingerichtet auf den Tropfen in deinem Herzen. Halte deinen Geist auf diesem Tropfen. Wenn ein Gedanke entstehen sollte, schenke ihm keine Beachtung. ├ťbe auf diese Weise t├Ąglich in vier Sitzungen. H├Âre schlie├člich auch auf, den Tropfen zu beobachten. Versetze deinen Geist dann in den nat├╝rlichen ungek├╝nstelten Zustand.
Wenn durch diese ├ťbung Aufregung in deinem Geist entsteht, meditiere ├╝ber den gelben Tropfen in deinem Nabelzentrum und den gr├╝nen Tropfen am geheimen Ort von dir selbst als Deva. Wenn Tr├Ągheit im Geist entsteht, meditiere ├╝ber den roten Tropfen in der Kehle und ├╝ber den wei├čen Tropfen im Stirnzentrum.
Wenn du auf diese Weise meditierst, wird dein Geist sich nicht nach Au├čen richten und zerstreuen, sondern er wird in einem nicht-begrifflichen Zustand verweilen. Klarsicht und andere gute Qualit├Ąten werden dann entstehen. So steht im Chakrasamvara Tantra:
Dadurch, dass man den Geist nach innen richtet, erreicht man, was man sich w├╝nscht.

b. Die ├ťbung der Vollendungsstufe ohne Zeichen

In diesem Teil der Technik, den Geist zu stabilisieren gibt es sieben Methoden:

  1. Die ├ťbung aufrechterhalten, ohne etwas in den Geist zu bringen
  2. Die ├ťbung aufrechterhalten und die Konzepte der Unterscheidungen aufgeben
  3. Die ├ťbung aufrechterhalten, ohne die Achtsamkeit zu verlieren
  4. Die ├ťbung mit gro├čer Anstrengung aufrechterhalten
  5. Die ├ťbung aufrechterhalten in Bezug auf die Bedeutung der Nicht-Meditation
  6. Die ├ťbung aufrechterhalten ohne die beiden Extreme der Anspannung und der Schlaffheit
  7. Die ├ťbung aufrechterhalten mit einem Geist, der sich im nat├╝rlichen Zustand befindet

1. Die ├ťbung aufrechterhalten, ohne etwas in den Geist zu bringen:

Nagarjuna sagte:

Alle Ph├Ąnomene sind gleich selbstlos. Unser Geist ist von Anfang an nicht-geschaffen und ist seiner Natur nach Leerheit. Die eigentliche Natur oder Essenz der Leerheit ist der Geist. Weder atmet der Yogi, der ├╝ber die Bedeutung der Leerheit meditiert noch atmet er nicht, seine Augen sind weder ge├Âffnet noch sind sie geschlossen, sein K├Ârper ist weder gerade noch gebeugt, weder redet er noch redet er nicht. Er denkt nicht ├╝ber ├Ąu├čere Objekte nach. Er denkt nicht ├╝ber seinen Geist nach. Es gibt elf Dinge, die nicht in den Geist aufgenommen werden: Form, Klang, Geruch, Geschmack und F├╝hlbares werden nicht in den Geist aufgenommen; die Natur der Form, des Klanges, des Geruches, des Geschmackes und des F├╝hlbaren werden nicht in den Geist aufgenommen. Au├čerdem werden die Ph├Ąnomene nicht in den Geist aufgenommen.

Als sich der Kostbare Erhabene Jigten Sumg├Ân bei seiner Familie in Den in Osttibet aufhielt, starb der Mann einer Nachbarin und sie war sehr traurig. Die Mutter des Kostbaren Erhabenen sagte zu ihrer Nachbarin: ÔÇťH├Âre auf, an deinen Ehemann zu denken, und dein Leiden wird aufh├Âren. Wenn du fortf├Ąhrst an ihn zu denken, wird der Schmerz anhalten.ÔÇŁ Sp├Ąter kam Jigten Sumg├Ân nach Zentraltibet und traf seinen spirituellen Meister Phagmo Drupa. Noch sp├Ąter, nachdem Jigten Sumg├Ân gerade Mahamudra verwirklicht hatte, f├╝hlte er, dass von allen Lehren, die er von Phagmo Drupa erhalten hatte, keine h├Âher war als diese: Nichts in den Geist aufzunehmen.
Daraus folgt, dass diese Lehre, nichts in den Geist aufzunehmen, sehr tiefgr├╝ndig ist. Saraha sagte:

Nicht in den Geist aufnehmen ÔÇô
das ist der K├Ârper der Mahamudra.
Yogi, erlaube dir nicht,
auf irgendeine Frucht zu hoffen.

[ÔÇŽ]

Rezension

Dieser aufschlussreiche und gut bearbeitete Text von Kunga Rinchen, zu dem Khenchen Rinpoche die Einf├╝hrung und Anmerkungen beisteuerte, ist dazu angetan, die Kenntnis ├╝ber die Mahamudra-Lehre der Kagy├╝-Tradition in inspirierender Weise zu bereichern. Knapp, und doch ausreichend gr├╝ndlich wird hier der gesamte Pfad dargelegt, und zwar ÔÇô dies ist das Besondere ÔÇô in der Form des Meditationsweges. Vor allem nach den entsprechenden Einweihungen kann das B├╝chlein zur rechten Praxisanleitung f├╝r ├ťbende werden, und mancher Schritt, manche Wortbedeutung m├Âgen sich durch die einleuchtenden Definitionen erhellen.
Nach einleitenden ├ťbungen folgen die ÔÇťeigentlichenÔÇŁ ├ťbungen, angefangen mit der Zufluchtnahme. Gleich hier wird die besondere Bedeutung des Lehrers in der Kagy├╝-Tradition deutlich, denn statt der ├╝blichen drei werden hier sechs Zufluchtsobjekte genannt, als Erstes die Wurzel- und Liniengurus. Die zuletzt angef├╝hrten Gottheiten sowie Dakas, Dakinis und Dharmasch├╝tzer zeigen die dichte Verwobenheit der Sutra- und Tantra-Grundlage dieses Mahamudra-Weges gleich zu Anfang.
All die folgenden Schritte mit den Visualisierungen, ausschlie├člich auf der Ebene mit zweiarmigen Gestalten, k├Ânnen hier nicht im Einzelnen nachgezeichnet werden. Eingehender als die Erzeugungs- wird die Vollendungsstufe dargelegt. Hier wird die Methode des Guru-Yoga als einziger Weg bezeichnet, um in seinem Geist jene Stufe zu erzeugen. Vier Buddha-K├Ârper gilt es zu verwirklichen. Den ├╝blichen drei K├Ârpern ÔÇô hier als Ausstrahlungsk├Ârper, K├Ârper des vollkommenen Erfreuens und Wahrheitsk├Ârper bezeichnet ÔÇô folgt der ÔÇťNaturk├ÂrperÔÇŁ (Svabhavikakaya ÔÇô anderswo auch als Wesensk├Ârper ├╝bersetzt). Hierbei geht es um das ÔÇťEtablieren der Soheit als Naturk├ÂrperÔÇŁ, um die nicht-duale Natur des Geistes und die essentielle Natur der Wirklichkeit, die Einheit der Ph├Ąnomene. Ohne nun noch eine Visualisierung zu Hilfe zu nehmen, soll jetzt allein der grundlegende Geist verwirklicht werden. Und schlussendlich sollte nichts anderes mehr als der eigene Geist, untrennbar vom Geist des Gurus und seinen vier K├Ârpern, wahrzunehmen sein, d.h. Mahamudra (w├Ârtl.: Gro├čes Siegel). Eine Sicht, die zur direkten Erfahrung jenseits des Denkens, also verwirklicht werden muss, um erst wirklich einsichtig zu werden.
Es folgt der gewichtige ├ťbungsblock ÔÇťDen Geist stabilisierenÔÇŁ, der Klarheit ├╝ber die ÔÇťBestehensweise der Ph├ĄnomeneÔÇŁ erzeugen soll. Eingehend wird dazu die Vollendungsstufe ohne Zeichen in sieben Schritten erl├Ąutert. Besonders wichtig ist der erste Punkt. Es gilt hierbei, die ├ťbung aufrechtzuerhalten, ohne etwas in den Geist hinein zu bringen. Dies sei ÔÇťder K├Ârper der MahamudraÔÇŁ. Zum zweiten Punkt, dem Aufgeben der unterscheidenden Konzepte, sei das sch├Âne Wort Tilopas zitiert: ÔÇťWenn man nicht ├╝ber gut und schlecht nachdenkt, werden die Gedanken der Buddhas der drei Zeiten auftauchen. Alle Allwissenden lehren dies.ÔÇŁ Schlussendlich wird jedoch klargestellt, dass Mahamudra eine Form der Einheit von Ruhigem Verweilen und besonderer Einsicht ist und daher auch als ÔÇťreine nichtbegriffliche besondere EinsichtÔÇŁ bezeichnet wird.
Dem entspricht die Aufgabe, die raumgleiche, alle Ph├Ąnomene enthaltende Natur des Geistes zu untersuchen. Und d ie Erkenntnis, dass der eigene Geist von Anfang an ohne Entstehen, Bestehen und vergehen ist, wird gew├Âhnlicher Geist, Naturk├Ârper oder selbst-entstandene, angeborene hohe Weisheit genannt. Der gew├Âhnliche Geist ist ÔÇťdie meditative Stabilit├Ąt des Mahamudra-Pfades des SehensÔÇŁ, also eine erwachte Sichtweise. Naropa bezieht einen weiteren, dem entsprechenden Aspekt ein: ÔÇťDie Natur des Geistes ist die Einheit von Erscheinung und Leerheit.ÔÇŁ Und eine heilsame, damit einhergehende Handlung ÔÇťist frei von Annehmen und Ablehnen.ÔÇŁ In den Worten von Jigten Sumg├Ân: ÔÇŁ Mahamudra ist einfach dieses Selbst-GewahrseinÔÇŽDen Wesen durch die vier K├Ârper zu nutzen, ist die Aktivit├Ąt der Mahamudra.ÔÇŁ
Diese stichwortartige Quintessenz der Lehre mag diejenigen, die die Natur des Geistes und die wahre Wirklichkeit erforschen wollen, zu einem eingehenden Studium dieses wunderbaren Textes anregen.

Dagmar Doko Wask├Ânig