Einf├╝hrung in die tibetische Schrift und Sprache

 

Es gibt verschiedene Gr├╝nde, sich mit den Grundlagen der tibetischen Sprache vertraut zu machen: einige sind von der ├ästhetik der Zeichen fasziniert, andere m├Âchten sich die Silben in den Visualisierungen der tibetischen Meditationen besser vorstellen k├Ânnen und noch andere haben das Ziel, tibetische Texte zu verstehen oder mit Tibetern direkt sprechen zu k├Ânnen. Am Anfang steht dabei aber immer, dass man sich mit der Schrift vertraut macht und eine Idee davon bekommt, wie sie ausgesprochen werden sollte.

Die tibetische Schrift

Die heute verwendete tibetische Schrift wurde der Legende nach von dem tibetischen Minister Th├Ânmi Sambotha entwickelt, der im 7. Jahrhundert vom K├Ânig Songtsen Gampo den entsprechenden Auftrag erhielt. Die neue Schrift sollte als Grundlage f├╝r die ├ťbertragung der buddhistischen Texte aus dem Sanskrit dienen. Th├Ânmi Sambotha st├╝tzte sich dabei auf die altindischen Schriften Lantsa und Wartu. So wie auch diese Schriften wird das Tibetische von links nach rechts und von oben nach unten geschrieben. Die Ausrichtung der Buchstaben erfolgt an einer oberen Linie, so dass die Buchstaben an dieser Linie “h├Ąngen”.

Die Grundlage f├╝r die tibetische Schrift bilden drei├čig Grundbuchstaben, die alle auf ‘a’ enden: ka, kha, ga, nga usw., wobei der Auslaut ‘a’ im Tibetischen nicht als Vokal gilt. Diese Grundbuchstaben k├Ânnen miteinander kombiniert und es k├Ânnen ihnen vier Vokale (i, u, e, o) zugeordnet werden. Insgesamt kann eine Silbe aus bis zu sechs Buchstaben plus Vokalzeichen bestehen. Tibetische Worte sind ein-, zwei- oder mehrsilbig.

Die tibetische Aussprache

In Tibet haben sich im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Dialekte entwickelt. Beispielsweise werden nicht mehr unbedingt alle Elemente einer Silbe mitgesprochen. Dennoch wird auch heute noch in einigen tibetischen Landesteilen und in Ladakh eine Aussprache verwendet, die sehr nah an den geschriebenen Worten ist. Teilweise ist es deshalb nicht m├Âglich, dass sich Tibeter aus unterschiedlichen Provinzen verst├Ąndigen k├Ânnen. Man k├Ânnte es damit vergleichen, dass ein Westfale und ein Bayer versuchen w├╝rden, sich in urspr├╝nglichem Plattdeutsch und Bayerisch zu unterhalten.

Beim Studium der tibetischen Sprache beginnt man ├╝blicherweise mit dem “Standardtibetisch”, dem in Zentraltibet gesprochenen Dialekt. Uns Deutschen bereitet es meist Schwierigkeiten, dass beim Sprechen auch Tonh├Âhe und Aspiration (Behauchung des Tons) dar├╝ber mitentscheiden, um welchen Buchstaben es sich handelt.

Seminare zum Erlernen der Schrift und Aussprache

Die Schrift selbst ist nicht allzu schwierig zu erlernen. Die Grundbuchstaben kann man in einem Tagesseminar kennenlernen. Wenn man sie eine Woche lang ge├╝bt hat, sind sie einem so vertraut, dass man gute Voraussetzungen hat, um den Aufbau der Silben zu erlernen. Ein Wochenende reicht aus, um den grundlegenden Aufbau zu vermitteln. Man muss im Anschluss sicherlich etwas ├╝ben, bis einem die Kombinationsm├Âglichkeiten und die entsprechende Aussprache vertraut sind. Das Studieren von Grammatik und Vokabeln ben├Âtigt zwar einen l├Ąngeren Zeitraum und eine intensive Besch├Ąftigung mit der Materie, jedoch kann man auch zu Anfang schon gemeinsam z.B. die Worte in Gebeten oder Praxistexten unter Zuhilfenahme von W├Ârterb├╝chern ├╝bersetzen und erh├Ąlt so Anhaltspunkte f├╝r die Bedeutung des Gesprochenen beim Rezitieren.

Aus Rundbrief 2/2011