Achtsamkeitsbilder

Aquarelle von Karo Schreurs

Ich kenne das Bedürfnis, bei der Betrachtung vor allem abstrakter Bilder eine kleine Erläuterung, einen Wegweiser an die Hand zu bekommen. Denn schließlich erkennt man ja keinen Gegenstand, nichts Konkretes, nichts Eindeutiges – ein paar Linien, ein paar Farbklekse. Aber wenn man sich darauf einlässt, taucht zumindest schon mal eine Bewertung (ja, ganz angenehm – oder, oje, wie hässlich…) oder ein Gefühl auf und bald meldet sich das Gehirn, das partout etwas Gegenständliches entdecken will. Das sieht aus wie… Und diese Eigenschaft erleben wir sicher alle häufiger, wenn wir z. B. Wolkenformationen am Himmel betrachten, und meist fühlt sich unser Gehirn sofort bemüßigt, ein Tier, eine Blume oder ähnliches festzumachen.

Meine Aquarelle beinhalten alle den Versuch, darzustellen, wie es in den Momenten im Geist aussieht, wenn ich meditiere, auf den Atem achte und das kommen lasse, was kommen will. Und natürlich – und das ist ja der „Trick“, das A und O – wieder ziehen zu lassen.

Wenn ich eine gute Sitzung habe, ist eine lockere Fokussierung da. Hierfür habe ich die Farbe Schwarz gewählt. Die Formen sind in einer Richtung eindeutig (z. B. von unten nach oben), haben aber oft eine weiche Kontur. Ja, die Fokussierung ist da, aber am Rand eben doch noch nicht fest. In einem Bild gibt es scharfe spitze Striche, die ein kleines Chaos zu verursachen scheinen und unruhig wirken. Das ist der Moment, wo ich nicht im Hier und Jetzt bin, sondern die Gedanken in Zukunft oder Vergangenheit verweilen. Die Farbe Orange symbolisiert das diffuse, warme Gefühl, das ich auch nicht mit klaren, scharfen Konturen umrissen habe. Ich will daran nicht festhalten und es sich wieder auflösen lassen.

Alles ist uneindeutig und damit abstrakt. Nur so kann ich zur Zeit zeigen, was fĂĽr mich Meditation ist. Und ja, das Malen selbst ist auch Meditation auf ganz wunderbare Weise: ich bin im Hier und Jetzt, enthalte mich jeglicher Wertung im Prozess, erlebe ein GefĂĽhl tiefer Befriedigung.

Und vielleicht gibt es ja mal einen Zeitpunkt, wo ich ein Blatt in klarem, hellem Weiß zeigen müsste – aber dann ist es keine Aquarellmalerei mehr.

Habt Freude beim Betrachten und Auf – Euch – Wirken – Lassen.

Karo Schreurs