40-jÀhriges Bestehen des Zentrums in Aachen

S.H. Drikung Kyabgön Chetsang bei seinem ersten Besuch in Aachen 1986

Reise in die Vergangenheit

Stell Dir vor, es gibt kein Smartphone, mit dem man blitzschnell Nachrichten austauschen und Informationen von zahlreichen Internetseiten erhalten kann. Es gibt noch nicht einmal Computer, auf denen man ĂŒberhaupt Daten speichern kann. Und trotzdem hat man sich vor 40 Jahren irgendwie verstĂ€ndigt – mit der Post, per Telefon oder durch persönlichen Austausch. So haben wir uns zunĂ€chst im Bekanntenkreis getroffen, Tee getrunken und erst einmal alle Neuigkeiten ausgetauscht, bevor wir zusammen etwas meditiert haben.

Nachdem es ein KagyĂŒ-Zentrum in der NĂ€he von Aachen gab, haben wir auch eine Kassette mit der Aufnahme einer Rezitation zur Meditation des Avalokiteshvara (tib. Chenresig) verwendet. Es gab am Anfang nur sehr wenige Texte, die als Grundlage fĂŒr die tibetischen Meditationen verwendet werden konnten. Aber weil alles neu war, war es auch erst einmal genug fĂŒr uns.

Aufgrund der sehr ĂŒberschaubaren Literatur ĂŒber den Buddhismus sind wir zu Veranstaltungen mit buddhistischen Lehrern gefahren, um ErklĂ€rungen ĂŒber die Lehre und Anleitungen zur Meditation zu erhalten. Diese wurden manchmal auf Kassetten aufgenommen, sodass wir sie nachhören konnten. Die Aufnahmen dienten mir als Vorlage fĂŒr Abschriften, sodass wir die ErklĂ€rungen nachlesen und als Unterlagen zu unseren Treffen verwenden konnten.

Phowa-Kurs mit S.E. Ayang Rinpoche (1984)

Nach einem Phowa-Kurs hatte ich dann den Wunsch, in Aachen einen Platz einzurichten, um die buddhistische Lehre auch anderen zugĂ€nglich zu machen. So wurde uns im November 1982 von S.E. Ayang Rinpoche der Name Drikung Sherab Migched Ling – der Ort, an dem sich das Auge der Weisheit öffnet – gegeben.

Ich erinnere mich auch an meine Schreibmaschine, mit der man ein paar Seiten auf einer Diskette speichern konnte, sodass man z.B. bei gleichlautenden Briefen nur noch die Anrede zu Ă€ndern brauchte. Wenn dann ein Programm angekĂŒndigt werden sollte, wurde es kopiert und per Brief an einige Leute verschickt, die sich ebenfalls fĂŒr den Buddhismus interessierten. ZunĂ€chst gab es nur wenig mitzuteilen. Aus einem Blatt wurden nach und nach mehrere Seiten, bis 1999 erstmalig unser Zentrums-Rundbrief erstellt wurde. Inzwischen gab es auch Computer, die die Arbeiten sehr erleichtert haben. 1999 wurden auch unsere ersten Internetseiten eingerichtet, auf denen sich im Laufe der Jahre zahlreiche Artikel und Informationen angesammelt haben. SpĂ€ter ging noch unser Dharma-Shop online.

Im Jahr nach der GrĂŒndung des Zentrums kam der erste tibetische Lehrer der Drikung-Tradition fĂŒr lĂ€ngere Zeit nach Deutschland. Drubpön Sonam Jorphel lebte abwechselnd ein Jahr im Drikung-Zentrum in Medelon (Sauerland) und ging dann wieder fĂŒr ein Jahr nach Ladakh (Nordindien), um dort das Meditationszentrum und die Yogis, die sich im Retreat befanden, zu betreuen. Er kam auch immer wieder nach Aachen und kĂŒmmerte sich um alles, was gebraucht wurde. Wenn er aus Indien zurĂŒckkam, hatte er dafĂŒr gesorgt, dass verschiedene RitualgegenstĂ€nde zur Ausstattung der Zentren und fĂŒr die persönliche Praxis in Deutschland verfĂŒgbar waren. Aber hauptsĂ€chlich gab er unermĂŒdlich Unterweisungen zur Lehre und Praxis, die er systematisch von den Grundlagen bis zu den höheren Methoden des Vajrayana weitergab.

 

Er sorgte auch dafĂŒr, dass zahlreiche Praxistexte erstellt wurden, indem er per Hand die tibetischen Worte auf Papier schrieb. Darunter wurde dann per Schreibmaschine eine Lautschrift gesetzt. Die ersten Texte hatten wir aus Amerika erhalten, wo bereits ein Khenpo daran gearbeitet hat. Auch die Texte in Deutschland wurden zunĂ€chst ins Englische ĂŒbersetzt.

1995 ĂŒbertrug S.H. Drikung Kyabgön Chetsang mir die Aufgabe, Texte in deutscher Sprache zur VerfĂŒgung zu stellen und so entstand daraus der Drikung KagyĂŒ Verlag. Wir hatten bereits damit begonnen, ein Buch von Khenpo Könchog Gyal-tsen ins Deutsche zu ĂŒbersetzen. SpĂ€ter konnten weitere folgen. Seit einigen Jahren arbeiten wir auch daran, einen Teil der zahlreichen Abschriften, die lange als Seminarunterlagen gedient haben, intensiver zu bearbeiten, sodass sie veröffentlicht werden konnten. Es gibt mittlerweile mehrfach ĂŒberarbeitete Computerprogramme fĂŒr die tibetische Schrift und andere Verbesserungen, die die Arbeit erleichtern. Trotzdem wird die Arbeit nicht weniger
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Ankunft in der Gegenwart

Inzwischen haben viele buddhistische Lehrer – hauptsĂ€chlich aus der Dri­kung-Linie, aber auch von anderen Traditionen – unser Zentrum besucht. So konnten wir zahlreiche Unterweisungen und Übertragungen erhalten und mit den Mitgliedern und Besuchern im Rahmen unserer Veranstaltungen teilen. Es gab immer wieder Personen, die ehrenamtlich Aufgaben ĂŒbernommen haben und damit zur Entwicklung des Zentrums beigetragen haben.

Mit den AktivitĂ€ten sind auch die dafĂŒr notwendigen UmstĂ€nde gewachsen. Das Zentrum hat seine RĂ€ume nach und nach erweitert und ist 1998 ist das Haus in der Oppenhoffallee gezogen, wo 1999 nach grĂŒndlicher Renovierung die Neueröffnung stattfand. In dieser Zeit wurde fĂŒr Ani Elke, die bis dahin die meiste Zeit noch halbtags gearbeitet hatte, eine Teilzeitstelle eingerichtet. Da durch das neue Haus auch grĂ¶ĂŸere Herausforderungen entstanden, folgte 2001 eine weitere Teilzeitstelle fĂŒr Christian. Im Zusammenhang mit dem Eintritt von Ani Elke in die Rente konnte schließlich auch Rolf Blume 2015 angestellt werden. Ani Elke ist weiterhin als Seminarleiterin tĂ€tig und bearbeitet schriftliche Unterlagen.

Die neueste VerĂ€nderung fand – wie ĂŒberall in den letzten Jahren – im digitalen Bereich statt, in dem auch wir uns auf Online-Veranstaltungen umgestellt haben. Dies hat Vor- und Nachteile. So gibt es mehr Möglichkeiten, auch ĂŒber Aachen hinaus Verbindungen zu halten. Trotzdem hoffen wir, dass auch wieder mehr persönliche Begegnungen stattfinden. Vorerst werden wir beides weiter nutzen.

Auch das Erstellen, Teilen und Verteilen schriftlicher Unterlagen unterliegt dem Wandel. So können schriftliche Unterlagen online zur VerfĂŒgung gestellt werden, was insbesondere neue Möglichkeiten fĂŒr Teilnehmer*innen von Seminaren bietet. Da die Menschen immer weniger Zeit haben, wurde die Dauer von Kursen und Seminaren immer mehr gekĂŒrzt, sodass nicht mehr so viel besprochen werden kann. Daher ist es hilfreich, wenn schriftliche Unterlagen zur VerfĂŒgung stehen. Obwohl es inzwischen immer bessere Computerprogramme gibt, die auch Übersetzungen (englisch-deutsch) oder sogar Transkriptionen von mĂŒndlichen Unterweisungen ĂŒbernehmen können, bleibt noch viel Arbeit, diese dann weiter zu bearbeiten. Einige Aufnahmen, die nicht so gut verstĂ€ndlich sind, werden weiterhin direkt abgeschrieben.

Zukunftsperspektiven

Obwohl es inzwischen viele Informationen und Veröffentlichungen ĂŒber die buddhistische Lehre und Meditationen gibt, brauchen wir umso mehr eine Orientierung und Strukturen, um diese sinnvoll anzuwenden. Ausgehend von den traditionellen Wegen, wie sie in asiatischen LĂ€ndern und in den Klöstern gegangen werden, ist es immer wieder eine Herausforderung, diese an unsere westliche Welt anzupassen und fĂŒr den Alltag zugĂ€nglich zu machen, ohne dabei die Möglichkeiten fĂŒr eine intensivere Auseinandersetzung zu vernachlĂ€ssigen.

Neben den AktivitĂ€ten im Zentrum gibt es weitere Aufgaben, die mehr in der Öffentlichkeit stattfinden. So werden wir von Schulklassen, Studierenden und anderen Gruppen besucht oder beteiligen uns an Stadtfesten oder interreligiösen Veranstaltungen. Der öffentliche Bereich ist in den Corona-Jahren mehr in den Hintergrund getreten und wird langfristig wohl wieder mehr Bedeutung erlangen, was auch grĂ¶ĂŸerer Vorbereitungen bedarf. Wir hoffen, immer wieder Mitarbeiter*innen und ehrenamtlich Helfende zu finden, die mit anpacken, neue Ideen einbringen und dabei helfen, diese umzusetzen. Dazu gehören auch Aufgaben im persönlichen oder gesellschaftlichen Bereich, die teilweise zusammen mit anderen Gruppen oder Organisationen umgesetzt werden können. Es ist immer davon abhĂ€ngig, was von jedem Einzelnen eingebracht und von der Gemeinschaft getragen wird. Möge es noch lange fĂŒr viele von Nutzen sein.

Auf unseren Internetseiten findet ihr weitere Artikel ĂŒber das Zentrum und seine Entwicklung

Puja zum GrĂŒndungstag des Zentrums am 22.11.2022

Wir werden am Dienstag, 22.11. um 19.30 Uhr eine Ganapuja mit Buddha Ami­tayus (tib. Tsepame), dem Buddha des langen Lebens, durchfĂŒhren und damit alles Heilsame der Praxis fĂŒr ein langes Leben unserer kostbaren Lehrer sowie der Mitglieder, Förderer, ehrenamtlichen und festen Mitarbeiter*innen widmen.

Herzlichen Dank an alle fĂŒr ihre Mitarbeit und UnterstĂŒtzung

TÀndsin Tschödrön Karuna (Ani Elke Tobias)