30-j├Ąhriges Bestehen des Zentrums in Aachen

Am 22. November 1982 wurde das Zentrum f├╝r tibetischen Buddhismus in Aachen gegr├╝ndet und besteht nun 30 Jahre. In diesem Bericht m├Âchten ich einige Stationen aus dieser Zeit beschreiben und damit die Entwicklung des Zentrums insbesondere denjenigen vorstellen, die es nicht von Anfang an kennen oder bisher nur ÔÇ×von au├čenÔÇť kennengelernt haben.

Der Anfang

Nat├╝rlich haben wir kaum geahnt, was einmal daraus wird, als wir S.E. Ayang Rinpoche darum baten, ein buddhistisches Zentrum in Aachen zu er├Âffnen. Zuerst gab es eine kleine Gruppe von Interessierten und wir haben uns einmal in der Woche getroffen, um zusammen zu meditieren und unsere Erfahrungen auszutauschen. Ich hatte nicht vor, mich festzulegen, aber als ich an einem Seminar ├╝ber eine Methode, die man zur Zeit des Sterbens anwendet (tib. Phowa), teilnahm, kam in mir der Wunsch auf, einen Platz zu schaffen, an dem man sich treffen kann, um sich gemeinsam mit der Lehre des Buddha und den vielf├Ąltigen Methoden des tibetischen Buddhismus vertraut zu machen.

Ich wendete meine Anfrage nach einem solchen Platz an S.E. Ayang Rinpoche, einen tibetischen Meister des Vajrayana-Pfades, der insbesondere f├╝r die ├ťbertragung des Phowa ber├╝hmt ist. Er gab dem Zentrum den Namen DRIKUNG SHERAB MIGCHED LING ÔÇô der Ort, an dem sich das Auge der Weisheit ├Âffnet. Die Schirmherrschaft wurde von dem Oberhaupt der Drikung-Linie, Seiner Heiligkeit, dem Drikung Kyabg├Ân Chetsang ├╝bernommen.

Zusammen ├╝berlegten sie, dass es f├╝r die Zentren in Deutschland wichtig sei, regelm├Ą├čig Unterweisungen und ├ťbertragungen zur Praxis zu erhalten und so kam im Sommer 1983 zum ersten Mal Ven. Drubp├ÂnSonam Jorphel mit dem ├ťbersetzer Ngawang Tsering nach Deutschland. Er blieb zun├Ąchst abwechselnd ein Jahr in Deutschland und fuhr f├╝r ein Jahr zur├╝ck nach Ladakh, um neben anderen Aufgaben die Yogis in den Meditationsklausuren zu betreuen. W├Ąhrend der Zeit in Deutschland lebte er haupts├Ąchlich im Zentrum Drikung Ngaden Ch├Âling in Medelon, besuchte aber immer wieder die anderen Zentren, um nach und nach zahlreiche Unterweisungen und ├ťbertragungen zu geben und den Aufbau der Zentren zu unterst├╝tzen.

Da es anfangs kaum buddhistische Schriften, Bilder oder sonstige Gegenst├Ąnde gab, war alles eine spannende Pionierarbeit und ist es auch heute noch, denn es gibt immer wieder ├╝berraschende Entwicklungen und Situationen. Neben den Unterweisungen und ├ťbertragungen wurden zahlreiche Praxistexte per Hand ├╝bertragen, mit einer Lautschrift versehen und ins Englische ├╝bersetzt. So konnten alle Praktizierenden die Texte mitlesen und sich den Inhalt durch kurze und l├Ąngere Erkl├Ąrungen zur Ausf├╝hrung der Meditationen erschlie├čen.

Die Zentren wurden nach und nach mit verschiedenen Ritualgegenst├Ąnden und den notwendigen Praxishilfen ausgestattet. Buddhistische Abbildungen wurden aus Indien oder Nepal importiert, fotografiert und gedruckt.

Drubp├Ân S├Ânam Jorphel hat unerm├╝dlich Unterweisungen zum “Tiefgr├╝ndigen F├╝nfteiligen Pfad zur Verwirklichung von Mahamudra (tib. Ngaden)” und zu vielen anderen ├ťbungen sowie entsprechenden Grundlagentexten, wie dem “Kostbaren Schmuck der Befreiung” von Gampopa, gegeben und die Zentrumsarbeit unterst├╝tzt. Am schwierigsten war es wohl, die unterschiedlichen Vorstellungen, die wir ├╝ber Buddhismus hatten, immer wieder zu korrigieren. Wenn er nach einem Jahr in Ladakh zur├╝ck kam, musste er zun├Ąchst die Mitglieder wieder zusammenbringen und die Zentren ermutigen, ihre Arbeit weiter fortzusetzen.

Neben Drubp├Ân S├Ânam Jorphel besuchten sp├Ąter auch andere Lehrer die Zentren. In den ersten Jahren kam haupts├Ąchlich S.E. Ayang Rinpoche, um wichtige Unterweisungen und ├ťbertragungen zu geben.

Das Zentrum w├Ąchst

Besonders aufregend waren die Vorbereitungen, als S.H. Drikung Kyabg├Ân Chetsang 1986 zum ersten Mal nach Deutschland kam. Seit 1988 kam auch S.E. Ontul Rinpoche regelm├Ą├čig nach Deutschland, um eine Studiengruppe in Hamburg zu betreuen und die Zentren zu besuchen. Im Jahr 1995 wurde der Drikung Kagy├╝ Verlag durch S.H. Drikung Kyabg├Ân Chetsang gegr├╝ndet, um einheitliche Texte in verschiedenen Sprachen herauszugeben. Er ├╝bertrug dem Aachener Zentrum die Koordination f├╝r den deutschsprachigen Raum. Seither wird kontinuierlich an den ├ťbersetzungen von Meditationstexten und anderen Ver├Âffentlichungen gearbeitet, um die kostbaren Inhalte den Praktizierenden zug├Ąnglich zu machen.

In den letzten Jahren kamen viele neue Lehrer nach Europa und inzwischen gibt es auch junge Lamas und Rinpoches, die die Aufgaben in den Zentren mittragen und weiter entwickeln. Ein besonderer H├Âhepunkt war die Durchf├╝hrung des Kagy├╝ Ngag Ds├Â, eines umfangreichen Einweihungszyklusses, der im Sommer 2000 von S.H. Drikung Kyabg├Ân Chetsang in Aachen ├╝bertragen wurde.

Auch von unserer Seite wurden gro├če Anstrengungen unternommen, um Seminare vorzubereiten und durchzuf├╝hren, Unterweisungen und Texte zu ├╝bersetzen und sich selbst mit den Lehren, verschiedenen Meditationen und der tibetischen Sprache vertraut zu machen. Es w├Ąre wunderbar, wenn in den n├Ąchsten Jahren qualifizierte ├ťbersetzungen der kostbaren Texte in Zusammenarbeit mit den tibetischen Lehrern erstellt werden k├Ânnen. Mittlerweile gibt es sogar drei Lamas in der Drikung-Linie, die deutsch sprechen und es finden Tibetischkurse statt, damit westliche Sch├╝ler Grundlagen der tibetischen Sprache lernen k├Ânnen.

Neben der inhaltlichen Entwicklung, die ma├čgeblich auf die Unterweisungen und den Segen der tibetischen Lehrer zur├╝ckzuf├╝hren ist, fand auch eine r├Ąumliche Entwicklung statt. Nachdem wir einige Jahre in einem “Wohnzimmerzentrum” verbracht hatten, konnten wir einen Meditationsraum einrichten, sp├Ąter in ein Haus am Stadtrand umziehen und schlie├člich ein Haus in der Stadt beziehen, dass neben einem Meditationsraum Platz f├╝r einen Dharma-Shop, eine Bibliothek und andere R├Ąumlichkeiten verf├╝gt und von vielen Interessenten besucht wird. Ich freue mich sehr ├╝ber die positive Entwicklung, die durch die Unterst├╝tzung einiger Mitglieder und die Betreuung durch die Lehrer der Drikung-Linie heranwachsen konnte. Da auch das Interesse an der buddhistischen Lehre und an der Praxis der Meditation angewachsen ist, sehen wir uns immer wieder vor neue Aufgaben gestellt und es gibt in den kommenden Jahrzehnten sicher noch viele neue Entwicklungen zur ├ťbertragung der buddhistischen Lehren in die westliche Gesellschaft.

Danksagung

Ich m├Âchte nicht nur den Lehrern f├╝r ihre unerm├╝dliche Hilfe danken, sondern auch allen Mitgliedern und Zentrums-Mitarbeitern, die neben ihrem Beruf, ihrer Familie und ihren anderen Verpflichtungen an den Zentrumsaktivit├Ąten teilnehmen und durch ihre Mitarbeit und finanzielle Unterst├╝tzung den ├Ąu├čeren Rahmen f├╝r das Zentrum mitgestaltet und erhalten haben. Obwohl es nicht einfach ist, ein solches Projekt mitzutragen, konnte sich durch gemeinsame Aktivit├Ąten und die Unterst├╝tzung vieler Menschen dieser Platz bis heute in Aachen in einer Weise entwickeln, an die vor 30 Jahren niemand gedacht hat. Trotz vieler Schwierigkeiten, die eine solche Entwicklung mit sich gebracht hat, empfinde ich eine besondere Freude, wenn das Zentrum zur gemeinsamen Praxis genutzt wird und ich positive Ver├Ąnderungen bei einigen Mitgliedern ├╝ber die Zeit hinweg betrachten kann oder erfahre, welche Bedeutung die Inhalte und ├ťbungen f├╝r andere haben. Au├čerdem bewegt mich eine gro├če Dankbarkeit f├╝r alle Hilfe und Unterst├╝tzung, durch die es m├Âglich geworden ist, die Lehre des Buddha an diesem Ort kennenzulernen, die Methoden zu ├╝ben und im t├Ąglichen Leben anzuwenden.

Wir sind sehr dankbar, mit den Lehrern der Drikung-Tradition zusammen┬şarbeiten zu k├Ânnen und ihre Unterst├╝tzung im Aufbau des Zentrums zu erfahren. Je l├Ąnger das Zentrum besteht, um so deutlicher wird die Bedeutung dieser Zusammenarbeit, um im Westen das Verst├Ąndnis des Buddhismus zu vertiefen. Und nat├╝rlich erfreuen wir uns an den kostbaren Lehren und ├ťbertragungen, die wir seither erhalten haben und in unserem Leben umsetzen k├Ânnen.

Es ist f├╝r uns eine gro├če Freude, dass Drubp├Ân Kunsang aus Anlass des 30-j├Ąhrigen Bestehens des Zentrums aus der Schweiz nach Aachen kommen und gemeinsam die Feier mit uns gestalten wird. Ich w├╝nschen allen eine segensreiche Zukunft.

Herzlichen Dank an alle

T├Ąndsin T. Karuna (Elke Tobias)